Nikolas Fricke

Innovationsmentor · Systemökologe · Schäfer

Vom Nordpolarmeer auf die Wiese in der Stadt.

Ich arbeite an klima- und umweltresilienter Transformation — in Organisationen, in Stadtquartieren und in der Landschaft. Die Arktis hat mir gezeigt, wie schnell Systeme kippen. Eine Wiese an der Isar, wie nah die Folgen sind.

87° N
Nordost-Spitzbergen, Nordgrönland, Jermak-Plateau
−400 m
Forschungstauchboot JAGO, Indischer Ozean
48° N
Isarauen, Fünfseenland, Karwendel — 50 Tiere, 45 Hektar
Das Forschungstauchboot JAGO an Deck eines Schiffs in einem arktischen Fjord

Spitzbergen — das Forschungstauchboot JAGO an Deck, bevor es zu Wasser geht

01Profil

Zwanzig Jahre zwischen Feldforschung, Geschäftsführung und Schafen.

Porträt von Dr. Nikolas Fricke

Alexander von Humboldt hat mit seiner Pflanzengeographie gezeigt, dass sich Lebensräume mit der Höhe genauso staffeln wie mit der geografischen Breite — sein Naturgemälde von 1807 ist ein Querschnitt durch die Anden, der Messwerte und Landschaft in einem Bild zusammenführt. Ohne es geplant zu haben, bin ich diese Linie entlanggereist: vom 87. Breitengrad bis in die Tropen, von der Oberfläche bis in 400 Meter Tiefe.

Studium der Landwirtschaft und des Sustainable Resource Management an der Technischen Universität München, Promotion an der Professur für Wirtschaftsgeographie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Zwei Expeditionen ins Nordpolarmeer, darunter eine Fahrt mit der Polarstern und eine Pilotstudie auf Nordaustlandet zur verschollenen Deutschen Arktischen Expedition von 1912. Tauchgänge im Forschungstauchboot JAGO in 400 Metern Tiefe, unter anderem im Indischen Ozean. Feldforschung zur Konflikttransformation durch Umweltbildung in Israel, Palästina und Jordanien. Systemökologische Arbeit im südlichen Afrika: research guided management von Naturreservaten.

Gründer der Bildungs- und Forschungsorganisation Conservation Global. Leiter Nachhaltigkeit und Geschäftsführer im Münchner Stadtentwicklungsprojekt Werksviertel-Mitte, wo ich das Klimaschutzbündnis initiiert und das Innovations- und Forschungsprogramm mitbegründet habe.

Seit 2016 züchte ich Walliser Schwarznasenschafe. Heute betreibe ich mit dem Schaf Club eine Schäferei an drei Standorten — in den Münchner Isarauen, im Fünfseenland und im Karwendel. 50 Tiere, 45 Hektar.

02Arbeitsfelder

Woran ich arbeite.

Zwischen Zielbild und Umsetzung — dort, wo Strategie auf Budgets, Zuständigkeiten und Menschen trifft.

Klima- und Biodiversitätsstrategie

Vom Zielbild über Governance und Kennzahlen bis zum Reporting: CSRD, THG-Bilanzierung über Scope 1 bis 3, Ökobilanzierung.

Organisationsentwicklung und Quartierstransformation

Veränderung in Strukturen mit vielen Beteiligten und gegenläufigen Interessen — Bündnisse statt Einzelmaßnahmen.

Brücke zwischen Wirtschaft, Politik und Praxis

Moderation und Aushandlung zwischen Unternehmen, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft — bis eine Entscheidung trägt, die alle mitgehen.

Umweltbildung und Vermittlung

Formate, die Menschen nach draußen und miteinander ins Tun bringen, statt ihnen etwas über Natur zu erzählen.

Flächen und Biodiversität in der Stadt

Beweidung als Instrument der Biotop- und Kulturlandschaftspflege, mitten im Stadtgebiet.

Strategische Kommunikation

Öffentlichkeitsarbeit, Medien und Repräsentation nach innen wie außen. Komplexe Sachverhalte so erzählen, dass Menschen daraus eine Entscheidung ableiten können.

03Wie ich arbeite

Vier Grundsätze, nach denen ich vorgehe.

Nachhaltigkeit hält, wenn sie Beteiligung ermöglicht.

Inhaltlich und finanziell. Die erste Frage an ein Vorhaben ist deshalb nicht, ob es gut gemeint ist, sondern wie sein Geschäftsmodell aussieht und wer dafür zahlt.

Die meisten Lösungen sind längst erfunden.

Innovation bringt Nachhaltigkeit zu Recht voran — aber das Vorhandene wird selten konsequent genutzt: Kreisläufe statt linearer Ketten, Bestand statt Neubau, Pflege statt Ersatz. Wer zuerst nach der neuen Technik sucht, übersieht meist die billigere Hälfte des Wegs.

Niemand setzt um, was ihm gleichgültig ist.

Was man liebt, macht man am besten — das gilt für Herden wie für Organisationen. Jede Veränderung beginnt deshalb mit der Frage, woran den Beteiligten wirklich liegt, und erst danach mit dem Maßnahmenplan.

Verständigung entsteht beim gemeinsamen Tun.

Nicht im Seminarraum. Das ist das Ergebnis meiner Feldforschung in Israel, Palästina und Jordanien — und es gilt auch für Teams, die sich einig sein müssten und es nicht sind.

04Referenzprojekte

Drei Projekte, an denen sich das prüfen lässt.

2017 – 2026 · München

Werksviertel-Mitte

Ausgangslage
Ein Stadtquartier in Entwicklung: ein Eigentümer, aber eine Vielzahl von Betrieben, Mietern und Nutzern mit eigenen Interessen — und kein gemeinsames, überprüfbares Klimaziel.
Rolle
Leiter Nachhaltigkeit von 2017 bis 2026, von 2020 bis 2025 zusätzlich Geschäftsführer der Joh’s Eckart GmbH mit Verantwortung für Strategie, Personal und Organisation.
Was entstanden ist
Eine Nachhaltigkeitsstrategie mit einem überprüfbaren Ziel: bis 2030 mindestens 25 Prozent unter dem Münchner Pro-Kopf-Verbrauch. Klimaschutzbündnis initiiert und geleitet, Governance-, Kennzahlen- und Reportingstrukturen aufgebaut, CSRD-Umsetzung und Ökobilanzierung begleitet. Mit der WERKStadt und einem Nachhaltigkeitsportal eine Stelle, an der jede Maßnahme dokumentiert, bilanziert und extern überprüfbar wird. WERKSAkademie als Plattform zwischen Praxis, Forschung und Bildung.
Wirkung
Das Quartier spart heute rund 6.400 Tonnen CO₂ im Jahr — so viel wie die Jahresemissionen von etwa 640 Münchnerinnen und Münchnern. Seit Projektbeginn über 51.500 Tonnen CO₂ vermieden, rund 38 Millionen Liter Wasser zurückgehalten.

seit 2018 · Bayern

Almschule

Ausgangslage
Umweltbildung, die im Klassenzimmer endet, verändert wenig.
Rolle
Aufbau und Leitung der Bildungsinitiative.
Was entstanden ist
Über 20.000 teilnehmende Kinder und Jugendliche seit 2018. Ausgezeichnet mit dem Umweltsiegel Bayern 2024.

seit 2016 · Oberbayern

Schafzucht in München und Umgebung

Ausgangslage
Innerstädtische Flächen, deren Artenvielfalt ohne Pflege verschwindet — und für die klassische Mahd weder ökologisch noch wirtschaftlich die beste Antwort ist.
Rolle
Aufbau und Betrieb der Schäferei mit dem Schaf Club; Abstimmung mit Flächeneigentümern, Behörden und Anwohnerschaft.
Was entstanden ist
50 Tiere, 45 Hektar an drei Standorten: Isarauen, Fünfseenland, Karwendel. Beweidung als Biotoppflege bis mitten in die Stadt, getragen von einem Mitgliedermodell und ergänzt um Firmentage und Bildungsformate.

05Vorträge

Sechs Vorträge, zwei Reihen.

Die eine Hälfte kommt aus dem Feld, die andere überträgt, was dort zu lernen war.

Reihe eins

Aus dem Feld

Drei Orte, an denen ich selbst gearbeitet habe.

87° Nord

Eis, Eisbären und ein Schiff von 1912

Nordost-Spitzbergen, Nordgrönland, das Jermak-Plateau — weiter nördlich als den 87. Breitengrad bringt einen ein Schiff kaum. Ich war zweimal dort oben: mit der Polarstern in der Framstraße, mit klimatologischen Messungen am schmelzenden Eis. Und auf Nordaustlandet, auf der Suche nach der Expedition Schröder-Stranz, die dort 1912 verschollen ist. Wir haben ihre Überreste gefunden.

Das gesunkene Schiff wurde dabei selbst zum Messpunkt: ein exakt datierter Ort, an dem sich ablesen lässt, wie sich Populationen über neunzig Jahre entwickelt haben. Dazwischen, durchgehend, die Eisbären. Dort oben sind sie kein Symbol für den Klimawandel, sondern der Grund, warum niemand allein aus dem Lager geht.

45–60 Min Firmen und Tagungen Bildungsträger

Der Quastenflosser

Zu Gast bei einem lebenden Fossil in 400 Metern Tiefe

1938 wurde der Quastenflosser in Südafrika wiederentdeckt — ein Tier, das man seit 70 Millionen Jahren für ausgestorben hielt. 1987 gelang es meinem Vater, Hans Fricke, die Art als Erster lebend in ihrem Lebensraum zu beobachten und zu filmen.

Später bin ich selbst im Forschungstauchboot JAGO hinuntergefahren. Der Vortrag handelt nicht von Zoologie. Er handelt davon, was es mit einem macht, einem Tier gegenüberzusitzen, das es seit 400 Millionen Jahren gibt — und warum sich danach die eigene Vorstellung von Zeit verschiebt.

45–60 Min Der persönlichste Vortrag

Die Elefanten aus dem Knysna Forest

Bedrohte Arten, bedrohte Populationen — und die Frage, ob sich Tiere in neue Lebensräume auswildern lassen

Aus meinen Projekten im südlichen Afrika. Eine Art kann als gesichert gelten, während einzelne Populationen verschwinden. Und eine Population kann so wachsen, dass sie den Lebensraum zerstört, von dem sie lebt. Wer Naturschutz an Artenlisten ausrichtet, übersieht beides.

Der Vortrag erzählt den Versuch, einen Elefanten in einem neuen Lebensraum auszuwildern — was dabei gelang, was nicht, und was das über die Grenzen gut gemeinter Naturschutzprojekte sagt. Die Frage, die jedes Publikum irgendwann stellt, beantworte ich auch: Darf man Elefanten jagen?

45–60 Min Mit Diskussion
Das Forschungstauchboot JAGO unter Wasser, daneben ein Taucher

Forschungstauchboot JAGO

Mehrere Quastenflosser dicht beieinander in einer Lavahöhle

Quastenflosser in einer Lavahöhle, Indischer Ozean

400 Meter tiefer beginnt eine andere Zeitrechnung.

Reihe zwei

Übertragung

Was sich in Organisationen, Städte und Teams übersetzen lässt — und was nicht.

Was wir uns von der Natur abschauen können

Und was besser nicht

Die Natur wird gern als Vorbild zitiert: Kreisläufe, Effizienz, Resilienz, Schwarmintelligenz. Vieles davon trägt. Anderes ist eine Projektion — Ökosysteme kennen keine Ziele, keine Fairness und keine Rücksicht.

Der Vortrag trennt das eine vom anderen: welche Prinzipien sich wirklich übertragen lassen, welche nur als Metapher funktionieren, und an welcher Stelle die Analogie kippt und gefährlich wird.

45–60 Min Führung und Innovation

Was braucht die Stadt der Zukunft?

Und welche Rolle spielt dabei das Schaf?

Verdichtung, Hitze, Flächenkonkurrenz, schwindende Artenvielfalt — und dann die Frage, warum ausgerechnet eine der ältesten Kulturtechniken darauf eine Antwort gibt.

Mit Bildern aus der eigenen Herde in den Isarauen und Beispielen aus Paris und München.

90 Min Ganzjährig Auch hybrid Volkshochschulen und Kommunen

Zusammenarbeit unter Spannung

Was Umweltbildung in Konfliktregionen über Teams lehrt

In Israel, Palästina und Jordanien habe ich untersucht, was passiert, wenn Menschen, die nicht miteinander reden wollen, gemeinsam an einer dritten Sache arbeiten. Die Ergebnisse gelten nicht nur für Konfliktregionen.

Der Vortrag über gemeinsames Tun als Voraussetzung für Verständigung — und darüber, warum Teamentwicklung im Seminarraum an ihre Grenzen stößt.

45–60 Min Auch als Halbtagesworkshop

Formate vom 25-minütigen Impuls bis zum Halbtagesworkshop, auf Wunsch in Verbindung mit einem Firmentag in der Schäferei. Konditionen auf Anfrage; für Schulen, Vereine und gemeinnützige Träger gelten reduzierte Sätze.

06Mentoring

Begleitung für das, was ökologisch trägt und wirtschaftlich funktioniert.

Nicht als Berater, der ein Konzept abliefert, sondern als jemand, der die gleichen Fragen selbst beantworten musste.

Gründungsbegleitung

Für Menschen, die aus einer Überzeugung ein Unternehmen machen wollen. Die Frage ist selten, ob die Idee gut ist — sondern ob sie sich rechnet und wer dafür zahlt.

Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft

Für Teams, die zwischen Anspruch und Machbarkeit feststecken. Aus Erfahrung mit Förderprogrammen, Innovationsprozessen und der Realität von Umsetzungsbudgets.

Transformation in Quartieren

Was ich im Werksviertel-Mitte gelernt habe: Nachhaltigkeit scheitert selten an der Technik und fast immer daran, dass niemand die Beteiligten zusammengebracht hat.

Einzelsitzungen, Sparring über mehrere Monate oder Workshops. Konditionen auf Anfrage.

Walliser Schwarznasenschafe mit Lämmern auf einer Wiese in den Isarauen

Die wirksamste Fläche liegt selten weit weg.

Isarauen, München — einer von drei Weidestandorten

07Stationen

Woher das kommt.

Ausbildung

  • Dr. rer. nat., Wirtschaftsgeographie — Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (2012–2017). Dissertation: Frieden bilden. Bilden für den Frieden
  • M. Sc. Sustainable Resource Management — Technische Universität München
  • B. Sc. Agrarwissenschaften — Technische Universität München

Forschung und Expeditionen

  • Arktis-Expeditionen 2004 und 2005 nach Spitzbergen und Grönland, u. a. an Bord des Forschungseisbrechers FS Polarstern — klimatologische und evolutionsbiologische Untersuchungen
  • Forschungsgruppe des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie, Seewiesen, zur Arterhaltung des Quastenflossers — Beobachtungen in 400 Metern Tiefe im Indischen Ozean
  • Systemökologe und Community Manager im Knysna Elephant Park, Südafrika; Auswilderung eines Afrikanischen Elefanten („Project Thandora“)
  • Feldforschung 2014–2015 in Israel, Jordanien und Palästina zu umweltbasierter Konflikttransformation, u. a. am Arava Institute for Environmental Studies

Aufbau und Leitung

  • Geschäftsführer der Joh’s Eckart GmbH, Werksviertel-Mitte München (2020–2025) — Strategie, Personal und Organisation
  • Leiter Nachhaltigkeit, Werksviertel-Mitte (2017–2026)
  • Initiator des Klimaschutzbündnisses Werksviertel-Mitte und Mitbegründer der WERKSAkademie
  • Gründungsdirektor und wissenschaftliche Leitung, Conservation Global (2011–2017)
  • Aufbau der Umweltbildungsinitiative Almschule — seit 2018 über 20.000 teilnehmende Kinder und Jugendliche, Umweltsiegel Bayern 2024
  • Gründer des Schaf Club, Beweidung in den Münchner Isarauen

Bühne und Medien

  • Keynotes und Fachvorträge u. a. Smart City Expo Barcelona, Rachel Carson Center for Environment and Society, Deutsche Gesellschaft für Geographie, Deutscher Geographentag, Arava Institute for Environmental Studies
  • Beiträge in Fernsehformaten von ZDF, Bayerischem Rundfunk und ARTE
  • Initiator und Moderator der „WERKSGespräche“ zu Naturschutz und Landwirtschaft, u. a. zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“
  • 2023: Laudatio auf Dr. Jane Goodall bei der Verleihung des „Prix International pour les Enfants“ der Stiftung Otto Eckart, München
  • Referent der Stiftung Kunst und Natur · Gast bei „Kaum zu glauben!“

Presse und Fachöffentlichkeit (Auswahl)

Publikationen (Auswahl)

  • Fricke, N.; Rodrian, P.; Zademach, H.-M. (2016): Potentiale und Grenzen umweltbasierter Konflikttransformation — Erkenntnisse aus dem Arava Institute for Environmental Studies in Israel. Geographica Helvetica
  • Rodrian, P.; Fricke, N.; Zademach, H.-M. (Hrsg.) (2015): Großschutzgebiete als Instrument der Konflikttransformation — Betrachtungen im Licht der Peace Ecology. BfN-Skripten 400, Bundesamt für Naturschutz
  • Fricke, N. (2005): The Lost Deutsche Arktische Expedition 1912 — A Pilot Study in the North East Land of Spitzbergen. Berichte zur Polar- und Meeresforschung, Heft 517

Kontakt

Dr. Nikolas Fricke
Corneliusstr. 32 · 80469 München

Ein erstes Gespräch dauert etwa 30 Minuten, kostet nichts und klärt drei Dinge: worum es geht, ob ich der Richtige dafür bin und was ein sinnvoller erster Schritt wäre. Zwei, drei Sätze zum Anlass genügen — ich melde mich innerhalb von zwei Werktagen.

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Schäferei und Firmentage: schafclub.com